Rezension: Crescent City [Sarah J. Maas]

Ganze zwei Wochen habe ich gebraucht, um dieses Buch zu lesen. Ganze zwei Wochen, um die über 900 Seiten und den krassen Inhalt zu bewältigen, den Sarah J. Maas uns da präsentiert. Die Aufmachung des Buches ist gewaltig, Cover und Buchschnitt umwerfend schön und der Inhalt ziemlich komplex. Ob und wie ich meine Meinung zu diesem Buch in Worte fassen soll, weiß ich noch nicht. Wir werden es wohl zusammen in diesem Beitrag herausfinden. Viel Spaß beim Lesen.

Informationen zum Buch: Verlag: DTV | Seiten: 928 | ISBN: 978-3-423-76296-0 | Preis: € 22,70 [A], € 22,- [D]

INHALT

Magie, Musik – und tödliche Gefahren: Die junge Bryce Quinlan, Halb-Fae und Halb-Mensch, genießt jedes Vergnügen, das Crescent Citys Nächte zu bieten haben. Doch dann wird ihre beste Freundin Danika von einem Dämon brutal ermordet – und für Bryce bricht die ganze Welt zusammen. Als der Dämon zwei Jahre später erneut zuschlägt, wird Bryce gegen ihren Willen in die Ermittlungen hineingezogen und muss mit Hunt Athalar zusammenarbeiten. Einem Engel, der als gewissenloser Auftragsmörder berüchtigt ist, – und mit dem sich Bryce auf ein Spiel mit dem Feuer einlässt. Während die beiden der Spur des Dämons tief in die Unterwelt der Stadt folgen, entdecken sie eine bösartige Macht, die ganz Crescent City in Schutt und Asche legen könnte … [Quelle: DTV Verlag]

DIE CHARAKTERE

Bryce Quinlan ist ein Partygirl, das gerne und viel feiert. Sie ist sehr willensstark und hasst es, wenn Alphamännchen sie bevormunden. Vor den Ereignissen mit Danika hat sie außerdem getanzt, sehr viel getrunken, Drogen konsumiert und das Leben nicht besonders ernst genommen. Doch mit Danikas Tod ist ein Licht in Bryce erloschen und nichts scheint für sie mehr von Bedeutung sein. Zwei Jahre später ist von dem Partygirl nur noch eine sarkastische Hülle übrig, die Rache für ihre toten Freunde einfordert. Bryce ist aber auch gutherzig und loyal. Sie tut alles für ihre Freunde und stellt sie immer an die erste Stelle.
Hunt Athalar ist ein gefallener Engel, der aufgrund seiner Taten versklavt wurde. Er gehört dem Erzengel Micah und muss für ihn Auftragsmorde ausführen. Für die Aufklärung an Danikas Mord, wird er Bryce als Beschützer zur Seite gestellt. Hunt ist ein begnadeter Dämonenjäger und trotz seiner Sklaventattoos, die ihm die Kraft entziehen, einer der mächtigsten Engel. Er ist als Umbra Mortis bekannt und wird von den meisten gefürchtet. Obwohl er ziemlich kalt und abweisend wirkt, ist Hunt sehr sensibel. Die Morde, die er im Auftrag von Micah begehen muss, quälen ihn. Er wünscht sich verzweifelt seine Freiheit zurück und tut alles, um diese wiederzuerlangen.
Ruhn Danaan ist ein Fae-Prinz und der Halbbruder von Bryce. Als Kronprinz und „Sternengeborener“ gehört er zur Elite und ist der Anführer der Fae Truppen in Crescent City. Er liebt Bryce und versucht, die angeschlagene Beziehung zwischen ihnen zu verbessern. Für seinen Vater empfindet er hauptsächlich Verachtung, da dieser Bryce wegen ihrer fehlenden Macht missbilligt und schlecht behandelt hat. Ruhn ist sehr ehrenhaft und kämpft für die Bewohner von Crescent City.

Es gibt noch so viele weitere tolle Charaktere, aber das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

GEDANKEN ZUM BUCH

Sarah J. Maas ist meine Queen of Fantasy. Mit ACOTAR habe ich mich in ihren Schreibstil verliebt und mit Throne of Glass in ihre Fähigkeit, perfekte-unperfekte Charaktere zu erschaffen. Ich liebe die Art, wie sie Orte beschreibt und wie selbst eine völlig abgedrehte Fantasywelt plötzlich detailgetreu vor dem inneren Auge erscheint. Als dann Crescent City angekündigt wurde, hatte ich nie auch nur einen winzigen Zweifel daran, dass die Welt, die Sarah J. Maas hier erschafft, grenzgenial sein wird. Und so war es auch. Crescent City ist eine ziemlich umfangreiche, aber hochmoderne Stadt, in der die verschiedensten Fantasywesen nebeneinander und miteinander existieren. Fae, Werwölfe, Vampire, Meerwesen, Kobolde, Engel, diverse Mischwesen und Menschen leben in derselben Stadt, unter der Führung von gottähnlichen Wesen, die die Regeln bestimmen. Ich gebe zu, dass ich eigentlich einen High-Fantasy Roman erwartet hatte und mit dieser komplexen Urban-Fantasy am Anfang etwas überfordert war. Der Einstieg in die Geschichte war Spannung pur, obwohl man die ersten 200 Seiten mit so vielen Informationen bombardiert wird, dass man diese kaum verarbeiten kann. Mir hat aber die Charaktervorstellung im langen „Prolog“ richtig gut gefallen. Man lernt Bryce, Danika und das Teufelsrudel kennen und weiß sofort, dass diese Gruppe etwas ganz besonderes ist. Die Dynamik zwischen den Figuren stimmt einfach und die angeteaserte Liebesgeschichte war genau nach meinem Geschmack. Aber Sarah J. Maas wäre nicht Sarah J. Maas, wenn sie nicht nach einer perfekten Eingewöhnungsphase alles über den Haufen werfen und völlig neue Handlungs- und Charakterkonstellationen schaffen würde. Denn – wie im Klappentext bereits erwähnt – wird Danika brutal ermordet. Für Bryce bricht daraufhin die Welt zusammen, denn mit ihrer besten Freundin sind auch ihr Lebensmut und ihre Fröhlichkeit gestorben. Erst zwei Jahre später – als sie vom Gouverneur mit der Aufklärung des Mordfalls betreut wird – kommt nach und nach ihr wahrer Charakter zurück.

Ich muss zugeben, dass ich mir zeitweise richtig schwertat mit dem Buch. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil man als Leser völlig unvorbereitet in die Handlung gestoßen wird. Ich musste mich die ersten 300-400 Seiten so darauf konzentrieren, alle Zusammenhänge und die komplexe Welt zu verstehen, dass ich mich kaum auf die vermittelten Emotionen einlassen konnte. Für mich ging dadurch leider ein sehr wichtiger Teil verloren und es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mit Bryce und Hunt warmgeworden bin. Ein weiteres Problem hatte ich mit der Haupthandlung, denn es geht überwiegend darum, Danikas Mörder zu finden. Die Geschichte entwickelt sich zu einer Fantasy-Krimigeschichte, was ich leider nicht besonders mag. Bryce und Hunt verfolgen verschiedene Spuren, befragen diverse Wesen und decken Geheimnisse auf. Das Ganze zieht sich über mehrere hundert Seiten und wird nach einer Weile ziemlich zäh. Ich dachte mir oft: passiert da jetzt noch was oder geht es wirklich nur um den Mordfall?
Letztendlich dreht sich der Großteil der Handlung wirklich um die Aufklärung des Mordes und ich muss sagen, dass mich das schon etwas enttäuscht hat. Hätte ich nämlich einen Krimi lesen wollen, hätte ich mir einen mit 300 Seiten genommen, anstatt 900 Seiten darüber zu rätseln, was denn nun mit Danika passiert ist.

ABER – und hier kommen wir zu dem, was Sarah J. Maas so besonders macht – die Handlung nimmt im letzten Drittel noch einmal ordentlich an Fahrt auf. Die Ermittlungen werden spannender, die Emotionen brechen aus jeder Seite hervor und die Charaktere entwickeln sich zu etwas Großartigem! Es ging nicht mehr nur darum, den Mörder zu finden, sondern um die Entwicklung eines jedes Individuums im Buch.
Ganz besonders toll fand ich Ruhn! Bryce’s Bruder war für mich DER Charakter im Buch. Er ist loyal, ehrenhaft und willensstark. Gleichzeitig sehnt er sich so sehr danach, eine Beziehung mit Bryce aufzubauen, dass er alles dafür tun würde. Ich fand ihn einfach großartig! Auch seine beiden Kumpels fand ich toll, die mich ein bisschen an Cassian und Azriel aus ACOTAR erinnert haben. Hunt – der neben Bryce am stärksten im Zentrum der Aufmerksamkeit steht – fand ich dagegen nur okay. Er ist süß und sein Charakter entwickelt sich großartig, aber er konnte mich bis zum Schluss emotional leider nicht wirklich erreichen. Dementsprechend konnte mich die Lovestory auch nicht ganz überzeugen. Für mich war die Verbindung von Bryce und Connor viel stärker als die zu Hunt.

Was mich aber schlussendlich vom Buch überzeugt hat, war die Thematik der Freundschaft und die Geschwisterbeziehung zwischen Bryce und Ruhn. Hier kamen die Emotionen so heftig bei mir an, dass ich sie bis in die Zehenspitzen fühlen konnte. Die Auflösung des Mordfalles hat mir auch gut gefallen, denn das hatte ich in dieser Form nicht erwartet. Die letzten 150 Seiten haben Crescent City dann außergewöhnlich gemacht und mir sind mehrfach die Tränen in die Augen gestiegen, so rührend waren einige Szenen. Schlussendlich konnte mich das Buch dann also doch berühren.

FAZIT

Crescent City ist ein außergewöhnliches Buch, das es seinen Lesern bestimmt nicht leicht macht. Man muss sich erst mehrere hundert Seiten lang in die Geschichte „einfinden“, was leider dazu führt, dass die Emotionen (für mich) zu kurz kommen. Die Charaktere sind – wie für Sarah J. Maas üblich – beeindruckend authentisch und detailliert ausgearbeitet. Die Liebesgeschichte war nicht ganz mein Fall, dafür konnte mich die Geschwisterbeziehung von Bryce und Ruhn überzeugen. Die letzten 200 Seiten sind Spannung pur, trotzdem gleichen sie die 700 Seiten davor leider nicht aus. Obwohl mir das Buch wirklich gut gefallen hat, kommt es für mich nicht an ACOTAR und Throne of Glass heran. Ich will Crescent City aber dennoch jedem Fantasy-Fan ans Herz legen und empfehle es – trotz Kritik – weiter.

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