Rezension: All Saints High – Der VErlorene [L.J. Shen]

L.J. Shen, was hast du hier nur getan? Was hast du dir dabei gedacht, so etwas zu schreiben? Und wie hast du es geschafft, dass ich diese Geschichte trotz Skepsis, Ekel und Traurigkeit so sehr liebe? Ich kann es dir nicht oft genug sagen, aber du bist die Meisterin der zerbrochenen Charaktere und ich liebe dich dafür! Du holst mich immer wieder aus meiner Lesekomfortzone und zeigst mir neue Grenzen auf. Diese Rezension fällt mir unglaublich schwer und meine Worte werden dem Buch niemals gerecht werden, aber ich muss meine Gedanken einfach teilen. Also … here it comes. Viel Spaß!

„Vaughn zu küssen war, als stünde ich am Rand einer Klippe. Eine schöne Aussicht, aber ich wusste, dass es tödlich war. Dennoch wollte sich ein dummer, unvernünftiger, gefährlich lebendiger Teil von mir in den eigenen Untergang hinunterstürzen“.

S. 76

INHALT

Als Lenora Astalis erfährt, dass Vaughn Spencer eines der begehrten Stipendien für die Kunst-Akademie ihres Vaters bekommen hat, sieht sie ihre Chance gekommen: Endlich kann sie sich dafür rächen, dass Vaughn ihr an der All Saints High das Leben zur Hölle gemacht hat. Doch es kommt ganz anders, denn Lenora soll Vaughns Assistentin werden und mit ihm zusammenarbeiten! Je besser sie das Künstler-Genie mit dem eiskalten Blick kennenlernt, desto deutlicher wird, dass sich hinter seiner grausamen Fassade mehr verbirgt als angenommen. Und bald kann Lenora das Prickeln, das sie schon immer in Vaughns Nähe gespürt hat, nicht mehr ignorieren … [Quelle: Lyx Verlag]

LENNY & VAUGHN

Lenora Astalis ist eine wirklich beeindruckende Protagonistin und einer der stärken Charaktere, die ich kenne. Sie musste in der Schule viel über sich ergehen lassen. Mobbing in Form von verbalen und körperlichen Angriffen gehörten zu ihrem Alltag. Sie wurde von ihren MitschülerInnen (und vor allem von Vaughn) beleidigt, ausgegrenzt, angegriffen und fertig gemacht. Was dieses Mädchen ertragen musste, hätte und hat andere Kinder in diesem Alter zerstört. Doch Lenny weigert sich, ihren Mobbern einen Sieg über sie zu gönnen. Sie schlägt verbal zurück und gibt sich scheinbar unbeeindruckt. Auch von Vaughn lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie wehrt sich mit allen Mitteln gegen ihn und will ihn dort treffen, wo es ihn am meisten schmerzt. Lenny ist Vaughn ebenbürtig und genauso verdreht wie er. Sie ist aber auch sensibel, schlau und eine Künstlerin durch und durch.

Vaughn Spencer ist der Sohn von Vicious und Emilia und hatte es bei mir deshalb von Anfang an nicht leicht. Mit Vicious habe ich bis heute große Probleme, weil ich eine Abneigung gegen Mobber habe und für mich ist er nichts anderes als das. Genau wie sein Sohn. Dachte ich…. Aber Vaughn ist so viel mehr, denn er hat auch viel von seiner Mutter geerbt. Vaughn ist ein Kunstgenie. Er ist exzentrisch und sieht die Welt anders als alle anderen. Mit Menschen kann er grundsätzlich nichts anfangen und meidet sie so weit es geht. Denn Vaughn ist … anders. Er ist vielschichtig wie eine Zwiebel und hat mich auch oft zum Weinen gebracht. Sein rachsüchtiges, zerstörerisches Wesen brachte mich an meine Grenzen und doch war ich auf morbide Weise von ihm fasziniert. Wie etwas Verbotenes oder Gefährliches hat er mich immer wieder angezogen und ich wollte ihn unbedingt verstehen. Am Ende war ich beeindruckt von dem Menschen, den ich hier kennenlernen durfte.

WEITERE GEDANKEN ZUM BUCH

Die Beziehung zwischen Lenora und Vaughn ist etwas Besonderes und keine klassische von Enemies-to-Lovers Story. Zwar starten die beiden als Todfeinde und behandeln sich gegenseitig auch so, aber man merkt schnell, dass da noch viel mehr dahintersteckt. Ich kann nicht weiter darauf eingehen, ohne zu spoilern, aber ihr sollt wissen, dass die beiden euch mehrfach überraschen werden. Sie sind grausam zueinander und handeln meist aus einem Rachegefühl heraus. Sie schenken sich nichts, um einander ebenbürtig zu bleiben. Dabei holen sie aber auch das Beste aus dem jeweils anderen heraus. Mir hat besonders die Art und Weise gefallen, wie Lenny und Vaughn miteinander kommunizieren. Es wird nichts beschönigt und nicht erwartet, dass sich jemand verändert und „normal“ wird. Stattdessen akzeptieren sie ihre verdrehte, düstere und freakige Art.
L.J. Shens Schreibstil hat die Geschichte noch intensiver gemacht. Sie besitzt einfach diese einzigartige Gabe, die Seelen ihrer Leser mit Worten zu zerstören. Erschreckend ist, dass wir Leser das sogar lieben und uns das immer wieder antun. Was dieses Buch mit mir gemacht hat, kann ich unmöglich in Worte fassen. Es hat mich gebrochen, mir aber auch gezeigt, dass man deshalb nicht am Ende sein muss. Lenny und Vaughn haben mich gelehrt, dass scheinbar kaputte Einzelteile auch ein wunderschönes neues Gesamtbild ergeben können.
Das Thema des Buches ist wirklich heftig und nichts für schwache Nerven. Die Triggerwarnung am Anfang und am Ende sollte wirklich ernst genommen werden. L.J. Shen hat die Thematik sehr realistisch und glaubhaft beschrieben, was das Ganze noch intensiver gemacht und mich gleichzeitig wütend und traurig zurückgelassen hat. Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Vaughn und Lenora, aber auch Emilia und Vicious dürfen in einigen Kapiteln zu Wort kommen. Obwohl ich es nicht gern zugebe, hat mich hier besonders Vicious sehr beeindruckt. Er ist ein unglaublich toller Vater und geht über Leichen, um seine Familie zu beschützen.
Meine einzige Kritik am Buch sind die Ereignisse rund um Arabella. Schon im zweiten Band konnte ich sie nicht leiden, was sich hier auch nicht geändert hat. Aber im Gegensatz zum zweiten Band, fand ich ihre Existenz noch realistisch. Was sie in ASH 3 jedoch abgezogen hat, war jenseits von glaubwürdig und akzeptabel. Highschool-Bitch und Zicke schön und gut, aber hier wurde für mich der Bogen zu weit gespannt und ist gerissen. Ich fand sie unglaubwürdig und unnötig boshaft.

FAZIT

Dieses Buch ist wirklich nichts für schwache Nerven. Wer aufgrund des wunderschönen Covers eine süße, romantische Lovestory erwartet, wird schnell merken, dass er sich geirrt hat und das Buch schreiend zuklappen. Denn ASH 3 ist heftig, düster, grausam und erschreckend. Es wird euch traurig machen, euch frustrieren und vielleicht steigt euch sogar die Wut in den Kopf, bis ihr rot seht. Aber gleichzeitig werdet ihr euch dem Sog der Geschichte nicht entziehen können. Ihr werdet von Lenora und Vaughn in einen Strudel aus Wut, Rache und Lust gezogen und es wird euch auf morbide Art und Weise faszinieren. Durch diese Faszination werdet ihr dann die Schönheit in der Grausamkeit entdecken. Ihr werdet die Liebe in Vaughns Hass sehen, die Verletzlichkeit in Lennys Bissigkeit und ihr werdet es lieben.
Jedenfalls ging es mir so. Dieses Buch ist für mich ein absolutes Jahreshighlight!

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