Tagebuch einer Buchhändlerin #3

Hello, Everyone!

Ich hoffe, dass ich diesen Beitrag etwas positiver gestalten kann als den letzten. Der Lockdown in Österreich ist seit ein paar Wochen vorbei und das langsame Öffnen des Handels hat recht gut geklappt. Bei uns in der Buchhandlung war der Andrang der Kunden nicht so groß, wie befürchtet. Meine Kolleginnen und ich hatten richtig Angst davor, dass wir wie beim Black Friday in den USA gestürmt werden und uns bereits eine Woche vor der Öffnung in eine Hysterie hineingesteigert. Völlig umsonst wie sich herausgestellt hat. Der erste Tag wurde nämlich von sintflutartigen Regengüssen begleitet, was anscheinend mehr Menschen in die Kaufhäuser gezogen hat. Einige Kunden haben es trotzdem zu uns geschafft und sind fröhlich zwischen den Regalen verschwunden. Von ihren Gesichtern konnte ich wegen der FFP2 Maske nicht viel erkennen, aber ich könnte schwören, dass ich ein aufgeregtes Glitzern in vielen Augen gesehen habe. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht, das Geschäft wieder gefüllt zu erleben und die ein oder andere Beratung machen zu dürfen. Nicht so spaßig war das Regalchaos, das viele Kunden hinterlassen haben. Ich hatte ganz vergessen – oder vielleicht verdrängt – dass nicht jeder einen inneren Monk besitzt, der so viel Wert auf geordnete Regale legt wie ich.
Im Moment laufen auch unsere Frühlings- und Sommerbestellungen auf Hochtouren. Die VerlagsvertreterInnen besuchen uns unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Manche haben auch Skypetermine mit uns vereinbart, weil die Anreise ohne Hotels ziemlich schwierig für sie ist. Ihr müsst wissen, dass diese VertreterInnen 2-3 Mal im Jahr durch ganz Österreich reisen und ziemlich viele Buchhandlungen besuchen, um das kommende Verlagsprogramm vorzustellen. Da in Österreich die Gastronomie und Hotellerie immer noch geschlossen ist, sind diese Termine im Moment etwas schwierig zu vereinbaren. Für uns als Buchhandlung ist das natürlich nicht optimal, da wir unsere Jahresretouren vom jeweiligen Vertreter genehmigen lassen müssen, um diese ohne Gebühren zurücksenden zu können. Wenn die VertreterInnen nicht persönlich kommen, müssen wir die Retouren einscannen, schicken und auf die Genehmigung warten. Dadurch verzögert sich das Zurücksenden, wodurch stapelweise Bücherkisten im Weg stehen. Zum Glück haben bisher nur wenige den persönlichen Termin abgesagt, sodass wir ganz gut in der Zeit liegen.

Der Arbeitsalltag hat uns im Moment also wieder, was ich mehr genieße als gedacht. Wahrscheinlich trägt auch das schöne Wetter im Moment zu meiner guten Laune bei, aber es ist definitiv eine Erleichterung, die Kunden direkt zu beraten und nicht nur Bestellungen über das Telefon aufzunehmen. Inzwischen durfte ich auch schon eine Schulbibliothek mit Neuheiten ausstatten, was ich schon länger nicht mehr gemacht habe. Könnt ihr euch vorstellen, wie toll es ist, mit einem Budget von 500€ neue Bücher zu kaufen? Obwohl die Auswahl dann nicht für mich war, habe ich es sehr genossen, den Einkaufswagen zu befüllen und mir Gedanken darüber zu machen, was den Kindern gefallen könnte. Die Reaktionen auf meine Auswahl waren sehr positiv, deshalb verbuche ich das mal als Gewinn für mich.

Das war’s dann erstmal von mir. Für den nächsten Beitrag habe ich mir folgendes Thema überlegt:
„5 Verhaltensweisen von Kunden, die BuchhändlerInnen nerven.“

Ich hoffe, ihr schaut wieder vorbei!

Eure Lexi.

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