INHALT

Ergeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis.
Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden.
Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen: Lucy Gray, das Mädchen im Regenbogenkleid, das zwar singen kann, aber für den Kampf ungeeignet zu sein scheint. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg seines zukünftigen Lebens entscheiden und Lucys Leben vorzeitig beenden. Es beginnt ein brutaler Kampf in der Arena, bei dem Coriolanus schnell feststellt, dass sein Schicksal untrennbar mit Lucy Grays verbunden ist.
[Quelle: Oetinger Verlag]

„Die Menschen sind gar nicht so schlecht. Nur das, was die Welt ihnen antut.“

S. 575

DIE (wichtigsten) CHARAKTERE

Vorsicht: kann Spoiler enthalten!
Coriolanus Snow ist ehrgeizig, engagiert und klug. Seine einst hoch angesehene Familie ist nach dem Krieg verarmt und besitzt nur noch ihren guten Namen und ein fast leeres Penthouse. An beides klammert sich die Familie und versucht nach außen hin, den Schein der erfolgreichen und einflussreichen Snows zu wahren. In der Schule ist Coriolanus sehr beliebt und auch bei den schulischen Leistungen zählt er zu den besten. Er wird als Teil des Mentoringprogrammes ausgewählt und darf einen Tribut während der Hungerspiele coachen. Der Preis ist ein Stipendium fürs College: etwas das Coriolanus unbedingt gewinnen möchte, da er sich die Ausbildung sonst nicht leisten kann.
Lucy Gray Baird ist der weibliche Tribut aus Distrikt 12 und bekommt Coriolanus als Mentor zugeteilt. Sie gehört einer musikalischen Gruppe namens „Covey“ an, die sich als distriktneutral bezeichnen. Lucy Gray wird schnell durch ihre tolle Stimme und ihren bunten Kleidungsstil bekannt. Obwohl sie auf die Zuschauer sehr offen wirkt, ist Lucy Gray geheimnisvoll und man lernt sie nicht wirklich kennen.
Sejanus Plinth kommt ursprünglich aus Distrikt 2, doch da seine Familie im Krieg mit ihrer Waffenfirma Geld machen konnte, stiegen sie gesellschaftlich ins Kapitol auf. Sejanus wird ebenfalls als Mentor für die Hungerspiele ausgewählt, aber anders als Coriolanus hasst er es und will kein Teil davon sein. Sejanus äußert offen seine kritische Meinung zum Kapitol und gerät deshalb häufig in Schwierigkeiten.
Dr. Gaul ist die leitende Spielmacherin und treibende Kraft hinter den Hungerspielen. Sie forscht an Genmutationen, die sie auch in der Arena einsetzen will.
Dekan Highbottom ist der Direktor von Coriolanus´ Schule und der Erfinder der Hungerspiele. Er hegt einen tiefen Groll gegen die Familie Snow.

MEINE MEINUNG

Panem X setzt 64 Jahre vor der Geschichte von Katniss und Peeta an und stellt den späteren Bösewicht Präsident Snow in den Fokus. Ich war sehr skeptisch, ob ich für den machthungrigen, verblendeten Mann Sympathie entwickeln kann, auch wenn er hier noch ein unschuldiger Junge ist. Diese Skepsis hielt sich leider das gesamte Buch über und ich wurde nicht warm mit Coriolanus. Hinter jeder Tat und jedem Wort suchte ich nach dem eiskalten Präsidenten. Ich verurteilte ihn für seine Manipulationen und für seinen Charakter. Denn auch, wenn er noch weit entfernt davon ist, ein machtbesessener Diktator zu sein, so erkennt man dennoch bereits einige Züge von seinem späteren Ich in ihm.
Schon als Jugendlicher strebt er nach Stärke und Kontrolle, weil ihm diese Dinge durch den Krieg der Rebellen genommen wurden. Auch ist er als Schüler schon sehr darauf fixiert, vor anderen gut dazustehen und erwähnt immer wieder, wie sehr das Kapitol ein geordnetes Panem braucht. Seine Einstellung zu den Spielen wechselt ständig. Doch auch wenn er sich manchmal kritisch darüber äußert, so akzeptiert er doch das Prinzip der Hungerspiele. Seine Ideen tragen sogar zur Verbesserung dieser bei.
Die Entwicklung Coriolanus´ vom engagierten Schüler zum eiskalten Diktator ist für mich also ziemlich nachvollziehbar, weshalb ich Snow als Charakter auch wahnsinnig interessant fand. Schon früh wurde von ihm erwartet, einmal Präsident zu werden und er verfolgt diesen Plan auch aus eigenem Antrieb. Alles, was er tut, führt ihn auf diesen Weg und nicht einmal die Liebe kann an seiner politischen und gesellschaftlichen Meinung etwas ändern. Deshalb wurde ich auch nicht warm mit ihm. Für mich war er einfach zu steif und überhaupt nicht wandelbar.
Auch Lucy Gray blieb bis zum Ende eher blass. Ich konnte sie nicht richtig kennenlernen und weiß immer noch nicht, was ihre Pläne und Ziele waren. Hat sie nur mit Coriolanus gespielt? Sich wirklich in ihn verliebt? War ihr Verhalten in den Hungerspielen taktisch oder kam das aus dem Affekt?
Gerade bei den beiden Hauptfiguren hätte ich mir etwas mehr Sympathie erhofft.

Natürlich gab es auch Dinge, die mir sehr gut gefallen haben, denn thematisch ist dieses Buch wirklich großartig. Wir lernen Panem nach dem Rebellenkrieg kennen und erfahren, dass selbst das starke, uneinnehmbare Kapitol Verluste erleiden musste. Denn während dem Krieg gab es kaum zu Essen, geringe medizinische Versorgung und man lebte in ständiger Angst vor Bombenangriffen. Reiche Familien verloren ihr Vermögen und ihre moralischen Werte. Es ging nur noch ums Überleben. Die Schrecken des Kriegs wurden gut geschildert, weshalb man die Härte des Kapitols zum Teil verstehen kann. Sie als Sieger wollen die Verlierer bestrafen und verhindern, dass erneut eine Revolution ausbricht. Aus diesem Grund wurden die Hungerspiele ins Leben gerufen: Für alle toten Kapitolskinder sollen nun Kinder aus den Distriken sterben.
Der Ablauf der Spiele zu diesem Zeitpunkt ist jedoch sehr trivial und alles andere als spektakulär. Hier gibt es keinerlei Ähnlichkeiten mit den späteren Hungerspielen und ich fand sie leider etwas langweilig.
Die Spiele aus der Sicht eines Mentors zu verfolgen, hat mir jedoch gut gefallen. Denn es erlaubt noch einmal einen ganz neuen Blickwinkel auf alles. Nicht nur, dass die Hungerspiele zu diesem Zeitpunkt noch niemand richtig ernst nimmt (das Kapitol eingeschlossen), die Tribute haben auch einen völlig anderen Wert als zu Zeiten von Katniss und Peeta. Den Mentoren geht es bei den 10. Hungerspielen eigentlich nur darum, zu gewinnen. Sie behandeln die Tribute wie Tiere, die sie dem Kapitol vorführen und die für Tricks und Kunststücke mit Essen belohnt werden. Sie werden in Käfigen gehalten und ausgestellt. Die Unterschiede zwischen den 10. und 74. Hungerspielen sind gewaltig und es war richtig interessant, die Vergleiche und Fortschritte zu verfolgen.

FAZIT

Dieses Buch zu bewerten ist richtig, richtig schwer. Denn auch, wenn mir die Geschichte thematisch sehr gut gefallen hat, überwiegen die negativen Dinge. Ich wurde mit den Hauptpersonen überhaupt nicht warm und selbst die Nebencharaktere blieben eher blass (mit Ausnahme von Sejanus). Zudem gefiel mir die Handlung überhaupt nicht. Das Buch ist in drei Abschnitte geteilt, die sich für mich niemals auf diese Art ergeben hätten. Ich hatte oft das Gefühl, dass Handlungsstränge wahllos aufgegriffen wurden, um die Spannung im Buch hoch zu halten. Leider führte das bei mir zu sehr vielen Fragezeichen-Momenten, denn ein Großteil der Handlung war für mich an den Haaren herbeigezogen. Das Ende verstand ich dann überhaupt nicht mehr, was mich richtiggehend frustriert hat.
Empfehlen würde ich das Buch knallharten Panem-Fans, die sich mit der Geschichte der Hungerspiele und der Situation nach dem Krieg befassen möchten. Alle anderen sollten sich vor der Anschaffung (für stolze € 26,-) bewusst machen, dass es sich hier um etwas völlig anderes als das bekannte Panem handelt.