REZENSIONSEXEMPLAR
Close to You hatte ich schon sehr lange auf dem Schirm und wollte es auch schon länger unbedingt lesen. Im englischsprachigen Booktok wird dieses Buch ja als „ugly cry book“ bezeichnet und genau darauf hatte ich mal wieder richtig Bock! Ob mich das Buch überzeugen konnte?
Das verrate ich euch in diesem Beitrag.
Viel Spaß beim Lesen!
Produktdetails: ISBN: 978-3-7341-1663-6 | 528 Seiten | Blanvalet | Taschenbuch
INHALT
Milow kann nicht sprechen. Ihr grausamer Vater hat ihr die Stimme genommen, bevor sie diese je finden konnte. Nach dessen Tod wird sie von der liebevollen Familie Statler aufgenommen – und trifft Ashby, ihren Adoptivbruder. Die beiden verstehen einander ganz ohne Worte, denn auch Ashby hat viel erlebt. Im Laufe der Jahre verwandelt sich ihre Nähe in eine zarte Liebe. Doch als Milow glaubt, endlich ihren Platz gefunden zu haben, reißt das Leben ihr erneut den Boden unter den Füßen weg. Und auch Ashbys große Ziele fordern einen hohen Preis. Entscheiden sie sich trotzdem füreinander?
GEDANKEN ZUM BUCH
Es fällt mir echt nicht leicht, Bücher schlecht zu bewerten, weil ich weiß wie viel Arbeit und Leidenschaft in jedem Werk steckt, aber ich kann halt auch leider nicht sagen, dass mir dieses Buch gefallen hat.
Hat es nicht… Ich fand es sogar richtig mies und fahrlässig schlecht recherchiert.
Aber kommen wir zuerst mal zu den positiven Dingen: Der Schreibstil hat mich am Anfang direkt gefesselt und die Geschichte beginnt unerwartet heftig. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass man sofort in das Trauma von Milow hineingeworfen wird und war deshalb direkt emotional eingebunden.
Stilistisch mochte ich, dass die Gebärdensprache im Buch so deutlich markiert ist. So bleibt das immer präsent und macht die Unterschiede zum lauten Sprechen sehr deutlich. Und ich mochte es, dass Kleinigkeiten wie Sichtkontakt um „gehört“ zu werden bei Milow den nötigen Stellenwert bekommen haben.
Und das war es dann aber auch schon … Der Rest war einfach extrem schlecht recherchiert, noch schlechter aufgearbeitet und einfach fahrlässig veröffentlicht.
Die Geschichte ist stellenweise KOMPLETT unlogisch, die Charaktere blass und es wird unnötiges Drama eingebaut, anstatt sich die Mühe zu machen, die sensiblen Themen anständig aufzuarbeiten.
Traumabearbeitung? Null.
Charakterentwicklung? Null.
Spannung? Am Anfang, ja, aber dann passiert kaum noch etwas.
Die Lovestory ist inzestuös (wobei das mein persönliches Empfinden ist und nicht jeder so wahrnimmt). Aber wenn man 10 Jahre lang als Geschwister erzogen wird und zusammen aufwächst, tue ich mir schwer damit, das als Lovestory zu sehen…
Das Thema wird auch kaum bearbeitet und im Buch einfach totgeschwiegen. Milow und Ashby sind dann zusammen und die Eltern reden nicht mit ihnen darüber? Ja, voll realistisch … Nicht!
Aber das zieht sich halt durch das ganze Buch: Es wird einfach nicht über schwere Themen gesprochen.
Milow wird gemobbt? Ashby klebt halt an ihrer Seite, damit er sie beschützen kann.
Die Adoptivgeschwister werden ein Paar? Leben wir halt damit.
Milow erfährt den Grund, warum sie nicht sprechen kann? Sie zieht sich für eine Nacht zurück und dann ist das Thema erledigt.
Die Familie erfährt von Milows Trauma (abseits der Stummheit)? Kurzes Drama und dann wird das nicht mehr angesprochen.
Ich meine, ernsthaft?!
Mich hat es so sauer gemacht, dass dieses Buch Traumata und heftige Erlebnisse nicht aufarbeitet. Es dreht sich alles nur um die Liebe zwischen Milow und Ashby, obwohl beide so viele Themen haben, die DRINGEND Aufarbeitung gebraucht hätten. Stattdessen werden diese für ein paar kleine Spannungsmomente genutzt und dann einfach totgeschwiegen.
Es gab so viel Unlogisches in diesem Buch:
Dass kein einziger von Milows Lehrern die Gebärdensprache kann? Das Mädchen geht fast 10 Jahre dort zur Schule, wie soll das funktionieren?
Dass Milow vor ihrer Adoption keine medizinische Untersuchung hatte? Mir kann niemand erzählen, dass man ein offensichtlich traumatisiertes Kind nicht ärztlich untersuchen lässt, bevor es in soziale Obhut kommt. Oder dass man diesem Kind keine therapeutische Begleitung verschafft.
Die ganze Adoption kam mir auch komisch vor. Ich habe ständig mit einer großen Enthüllung gerechnet, weil das für mich extrem verdächtig war. Es hat aber nicht lange gedauert bis ich gemerkt habe, dass auch das einfach schlecht recherchiert ist…
Und die Lovestory? Die ist nicht nur inzestuös, sondern auch extrem toxisch.
Ashby ist fast besessen von Milow und Milow ist komplett abhängig von Ashby. Ihre hilflose Art wird als „süß“ verkauft, dabei wird sie einfach nur von allen Menschen in ihrem Umfeld klein gehalten.
Milow selbst ist so gefangen in ihren Traumata, dass sie keine Charakterentwicklung durchmachen kann und alle anderen finden das super, weil Milow nach außen „gut klarkommt“. Alle wissen, dass sie Probleme hat, aber glauben, dass sie schon sagen wird, wenn sie Hilfe braucht. Weil ein traumatisiertes Kind, dem man beigebracht hat, ein „braves Mädchen“ zu sein, auch bestimmt sagen wird, dass sie Hilfe braucht….
Uff, dieses Buch macht mich echt immer noch sauer…
FAZIT
Close to You ist mein Jahresflop 2026.
Ich bin nicht nur enttäuscht, dass mir das Buch nicht gefallen hat, sondern sauer, dass ich es nicht einfach abgebrochen habe. Am Anfang habe ich das Potenzial der Geschichte gesehen, aber es gibt weder Charakterentwicklung noch eine Aufarbeitung der Traumata. Am Ende bleiben viele Fragen offen, was die Autorin anscheinend genau so wollte, sich für mich aber – wie der Rest des Buches – nach lazy writing angefühlt hat. Als wollte sie mit der Aussicht auf Antworten die Leser dazu bringen, auch Band 2 zu lesen.
Funktioniert bei mir aber nicht, da ich definitiv nichts mehr von dieser Autorin lesen werde.
Das Buch bekommt auch keine Empfehlung von mir und sollte mit einer Triggerwarnung für schlechte Recherche versehen werden….
